Selbstevaluation

Komponente 2: Datengestützte Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung der Institution Schule

Was bedeutet das?

Im Rahmen eines Qualitätsmanagements ist es wichtig, dass, neben dem Aufbau einer Feedbackkultur, auch die Institution Schule als Ganzes regelmäßig evaluiert und schrittweise weiterentwickelt wird, beispielsweise die kollegiale Zusammenarbeit, die Schulführung oder die Schulorganisation. In dieser Absicht werden datengestützte Qualitätsrecherchen durchgeführt, sei es zu einzelnen Qualitätsbereichen (so genannte Focusevaluationen) oder sei es zur Gesamtqualität der Schule (so genannte Breitbandevaluationen). Die Evaluationsdaten bilden dann die Grundlage für die Erarbeitung einer differenzierten, datengestützten Qualitätsdiagnose (Feststellung der spezifischen Ist-Soll-Diskrepanzen) und für die Erarbeitung von Optimierungsmaßnahmen.

Für solche datengestützten Selbstevaluationen stehen unterschiedliche Methoden (Fragebogen, Interviews) zur Verfügung, wichtig ist, dass solche Methoden gewählt werden, die dazu beitragen, das angestrebte Ziel zu erreichen. Zudem ist es wichtig, dass die Sammlung von Daten anonym erfolgt, als Ergänzung zu den eingespielten Meinungskonstellationen im Kollegium oder unter den Schülern. Besonderer Wert sollte darauf gelegt werden, dass die Interpretation der Daten im Kollegium stattfindet: Auf diese Weise kann eine gemeinsame ‚Problem- und Lösungssicht’ hergestellt werden – eine unverzichtbare Voraussetzung, um bei der Maßnahmenumsetzung auf eine breite Abstützung bei den Beteiligten zählen zu können.

Warum ist die datengestützte Selbstevaluation ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsmanagements?

Selbstevaluationen sind Instrumente des institutionellen Lernens. Sie dienen dazu, Ist-Soll-Diskrepanzen zu erkennen und zu beseitigen, welche die Qualität der Schule als Ganzes beeinträchtigen. Die Schule als Ganzes kann sich auf diese Weise schrittweise verbessern.

Selbstevaluationen unterstützen auch die Klärung der individuellen und institutionellen Verantwortlichkeiten: Sie können aufzeigen, dass individuell empfundene Schwierigkeiten und Mängel unter Umständen auf der Schulebene angesiedelt sind, d.h. durch institutionelle und kulturelle Faktoren mit verursacht sind. In diesem Sinne können Selbstevaluationen eine Entlastungsfunktion für die einzelne Lehrperson haben.

Selbstevaluationen sind ebenso wichtige Instrumente der Rechenschaftslegung: Indem zu wichtigen Themen und Qualitätsbereichen möglichst objektive Daten erhoben werden, wird es möglich, außen stehenden Personen einen glaubwürdigen Einblick in die Schulqualität zu geben. Entsprechend wichtig sind die Dokumentation und die transparente, nachvollziehbare Interpretation der Evaluationsergebnisse für ein professionelles Qualitätsmanagement.

Was bringt die datengestützte Selbstevaluation der Schule?

In wissenschaftlichen Studien ist inzwischen nachgewiesen, dass die Wirksamkeit von Schulen von der Qualität der Schule als Ganzes beeinflusst wird. Im Sinne einer Erhöhung dieser Wirksamkeit ist es wichtig, die institutionellen Rahmenbedingungen, die unterrichtsübergreifenden Prozesse und die kulturellen Eigenheiten immer wieder kritisch zu analysieren und gezielt zu verbessern.

Selbstevaluationen fördern zudem bei Lehrpersonen das Bewusstsein für die Haltung ‚Wir und unsere Schule’ in Ergänzung zu ‚ich und mein Unterricht’. Die gemeinsame Identität für die Schule als Ganzes wird gestärkt; die Mitarbeiter fühlen sich für die Qualität der Schule mitverantwortlich. Selbstevaluation und Schulentwicklung bedeuten in diesem Sinne auch eine Gegenbewegung zur schultypischen Tradition, die Qualitätsverantwortung ausschließlich bei den einzelnen Personen anzusiedeln. Die Leistung der Schule als Ganzes wird maximiert, indem das institutionelle Lernen – im Sinne von Wissensaustausch – in eine Kultur von Innovation und Verbesserung eingebettet wird.

Fragen, die vor der Durchführung einer datengestützten Selbstevaluation geklärt werden müssen:

Wer ist für die Initiierung von Selbstevaluationen, für die Themenwahl und die Einsetzung der Evaluationsgruppe zuständig?

In welchem Rhythmus werden datengestützte Selbstevaluationen durchgeführt?

Wie kann sichergestellt werden, dass Selbstevaluationen praxiswirksam werden und dass die erarbeiteten Optimierungsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden?

Wie kommt die Schule zum notwendigen Evaluations-Know-How?

Wie viel Wissenschaftlichkeit braucht eine datengestützte Selbstevaluation, um glaubwürdig zu sein und dem Spannungsfeld zwischen Differenzierung und Einbezug der Beteiligtensicht angemessen Rechnung zu tragen?

Grundlage für die konkrete Arbeit: Q2E-Broschüre ‚Schritte zur datengestützten Schulevaluation’.