Individualfeedback

Komponente 1: Individualfeedback und individuelle Qualitätsentwicklung

Was bedeutet das?

Der Unterricht steht für die Lehrperson im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Wird ein wirkungsvolles und glaubwürdiges Qualitätsmanagement angestrebt, so sollte auch der Unterricht in den Blick genommen werden mit dem Ziel, die individuelle Unterrichtsgestaltung zu verbessern und weiter zu entwickeln. Dabei haben erfahrungsbezogene und konkrete Rückmeldungen seitens der Beteiligten (Auszubildende, Schüler) oder seitens unbeteiligter Beobachtenden (z.B. Kollegen) einen hohen Stellenwert. Solche ‚Feedbacks’ sind für Lehrpersonen wertvolle Reflexionshilfen, die das individuelle Lernen zur Optimierung des beruflichen Handelns anregen und unterstützen können.

Feedbacks werden im Rahmen von Q2E verstanden als Instrumente des persönlichen Lernens und dienen der persönlichen, unterrichtsbezogenen Qualitätsentwicklung. Sie sind von Beurteilungs- und Qualifizierungsinstrumenten deutlich zu unterscheiden.

Möglichst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule sollten Feedbacks einholen, auswerten und in der Praxis umsetzen – insbesondere dann, wenn das Arbeitsfeld einen großen, individuell zu verantwortenden Gestaltungsraum besitzt. Die Verantwortung für die Institutionalisierung einer Feedback-Kultur liegt bei der Schulleitung.

Im Rahmen von Q2E wird dabei von einem so genannten „360°-Feedback“ ausgegangen. Das bedeutet, das möglichst im Verlauf eines vereinbarten Zeitraumes von unterschiedlichen Seiten Feedback eingeholt wird:

Geht es z.B. um eine Rückmeldung zu einem Unterrichtsinhalt ist möglich, außer von den Schülern, auch von Kollegen oder anderen Personen (Schulleitung, Betriebe usw.) ein Feedback einzuholen.

Neben unterschiedlichen Beteiligten gibt es auch unterschiedliche Methoden und Instrumente, die genutzt werden können, um Feedbacks zu erhalten:

Beteiligte

Methoden

Instrumente

Lernenden Feedback

Schriftliche Befragung

Interaktive Kleinformen usw.

z.B. standardisierter Fragebogen

z.B. Rating-Konferenz

Kollegiales Feedback

Unterrichtshospitation

Intervision usw.

z.B. Beobachtungsraster

z.B. Fallbesprechung

Warum ist das Individualfeedback ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsmanagements?

Feedbacks sind Instrumente zur Unterstützung der individuellen Qualitätswahrnehmung und -ent wicklung im beruflichen Arbeitsprozess. Das feedbackgestützte Lernen ist insofern ein unverzichtbarer Teil des schulischen Qualitätsmanagements, als es zur Optimierung der individuellen Praxis beiträgt. Feedbacks helfen, blinde Flecken in der Eigenwahrnehmung des eigenen Handelns aufzudecken und geben Anstoß zur kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungszielen. Unter Einbezug der Perspektive der Beteiligten und der Außensicht einer unbeteiligten Person dienen Feedbacks im Q2E-Modell als Ergänzung und Unterstützung der Selbstbeurteilung. Feedback initiiert und unterstützt aber auch kollektive Lern- und Auseinandersetzungsprozesse in Kleingruppen und kann damit auch die Teamentwicklung in der Schule fördern.

Was bringt das Individualfeedback der Schule?

Feedbacks bilden eine wichtige Grundlage für die Wahrnehmung des eigenen Lernbedarfs. Sie geben der Lehrperson wichtige Hinweise zur Verbesserung des Unterrichts. Wenn eine Feedbackkultur in der Schule etabliert ist, wird sichergestellt, dass alle Lehrpersonen Ist-Soll-Diskrepanzen in der eigenen Praxis erkennen und systematisch an der Verbesserung des Unterrichts arbeiten.

Feedbacks zeigen, wie der Unterricht bei den Schülern ankommt. Sie enthalten oft auch Anerkennung dafür, was gut gelungen ist. Die Projekterfahrungen in der Schweiz haben auch gezeigt, dass durch Feedbacks die Kommunikation in der Schule offener wird und dass vermehrt konstruktiv-kritischere Auseinandersetzungen über den Unterricht im Kollegium stattfinden. In diesem Sinne fördern Feedbacks auch das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Unterstützung in der täglichen Arbeit.

Fragen, die beim Aufbau einer Feedbackkultur geklärt werden müssen:
  • Welches sind wirkungsvolle Feedbackverfahren und –instrumente, die an der Schule mit Verbindlichkeitsanspruch institutionalisiert werden sollen?
  • Wie kann erreicht werden, dass alle Personen in die Feedbackaktivitäten eingebunden werden?
  • Wie können Auszubildende/Schüler in Feedbackprozesse eingebunden werden, ohne eine Übersättigung zu erzeugen?
  • Wie lässt sich die Einhaltung von Feedbackvorgaben überprüfen, ohne die Vertraulichkeit der Feedbackprozesse zu untlaufen?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass die Feedbacks nicht zu heimlichen Beurteilungs- und Qualifizierungsinstrumenten werden?
  • Wie kann dafür gesorgt werden, dass Feedbackergebnisse eine spürbare Verbesserung in der Praxis bewirken?

Tabelle entnommen aus: Keller, Hans: Aufbau einer Feedbackkultur, S.5.